Grundregeln für Aktionäre

Unabhängig bleiben

Legen Sie nur den Teil Ihrer Ersparnisse in Aktien an, über den Sie nicht kurzfristig verfügen wollen oder müssen. Eine alte Börsenregel lautet: Zu niedrigen Kursen kaufen, zu hohen Kursen verkaufen. Schaffen Sie sich deshalb die Unabhängigkeit, den Kauf- und Verkaufszeitpunkt selbst bestimmen zu können. Das bedeutet: Nur solche Beträge in Aktien anlegen, von denen man sicher weiß, dass man sie in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht unbedingt benötigt. Sogenannte Notverkäufe enden häufig mit Verlusten. Bei einem einzelnen Aktienkauf sollten mindestens 1.000 bis 2.500 Euro investiert werden, damit die Bankgebühren nicht mehr als ein Prozent des Kaufpreises betragen. Die – mittelfristig anzustrebende – Mindestgröße für ein ausreichend gestreutes Aktiendepot von fünf bis zehn Aktien liegt damit bei 5.000 bis 12.500 Euro. Nehmen Sie niemals (!) einen Kredit für ein Aktiendepot auf. Bei einem Kursrückgang könnte der Depotwert unter die Beleihungsgrenze fallen und somit zu einem Zwangsverkauf führen. Das wiederum würde u.U. einen Großteil des Vermögens vernichten.

Sich informieren

Schauen Sie sich das Unternehmen an, dessen Aktien Sie kaufen möchten. Die Ergebnisse der Vergangenheit sind zwar zu berücksichtigen, aber entscheidend ist die künftige Ertragsentwicklung. Solide Finanzierung versetzt ein Unternehmen in die Lage, neue Marktchancen auszunutzen. Auch die Qualität des Managements ist bei der Anlageentscheidung zu berücksichtigen. Informationen zu diesen Punkten bieten neben dem Geschäftsbericht, den Sie von Ihrer Bank erhalten können, Nachrichten und Kommentare in der Tages- und Wirtschaftspresse. Meiden Sie nicht notierte Werte, die über Zeitungsannoncen, durch Postwurfsendungen oder per Telefon angeboten werden.

Streuen, streuen, streuen…

Mindern Sie Ihr Risiko durch Streuung Ihrer Anlagen auf verschiedene Aktien verschiedener Branchen. Innerhalb eines Konjunkturzyklus verhalten sich die einzelnen Branchen unterschiedlich. Manche Branchen profitieren von einer Zinssenkung stärker als andere. Es gibt Wirtschaftszweige, die sehr exportorientiert sind. Hier muss der Wechselkurs beachtet werden. Aber auch innerhalb einer Branche gibt es Unternehmen, die mehr oder weniger vom Konjunkturaufschwung profitieren. Daher: nie alles auf eine Aktie setzen. Die Anlagemittel sind vernünftig zu verteilen, aber man darf sich auch nicht verzetteln: Ein Depot sollte aus mindestens fünf, aber auch nicht mehr als zehn verschiedenen Aktien bestehen. Sind zu viele Aktien im Depot, verliert man leicht die Übersicht. Die laufende Überwachung ist wichtig, um die Zusammensetzung des Depots der wirtschaftlichen Entwicklung anzupassen. Reicht das Vermögen für fünf bis zehn verschiedene Aktien aus unterschiedlichen Branchen nicht aus, sind Anteile an Aktienfonds zu empfehlen. So erreichen Sie eine ausreichende Streuung auch bei niedrigen Anlagebeträgen.

Richtiges Timing

Wählen Sie einen günstigen Zeitpunkt für den Kauf und Verkauf von Aktien. Dies ist leichter gesagt als getan. Auch wenn die Aktienanalyse gewisse Anhaltspunkte bietet, so gilt doch: Hellsehen kann niemand. Daher sollte man beim Kauf nicht auf Tiefstkurse warten und beim Verkauf nicht auf den absoluten Höchststand. Hat man mit einer Aktie einen schönen Kursgewinn erzielt, sollte man sich ruhig einmal von einem Papier trennen. Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne. Dennoch gilt: Aktien lässt man am besten in Ruhe, wenn man sie einmal gekauft at. Je häufiger ein Aktiendepot umgeschichtet wird, desto niedriger ist die Rendite, die man mit dem Gesamtdepot erzielt.

Beraten lassen

Sprechen Sie mit dem Fachmann. Den todsicheren Tipp gibt es nicht, deshalb hüten Sie sich vor „Experten“, die „sichere Gewinne“ voraussagen. Zu viele unvorhersehbare Ereignisse können die Börse beeinflussen. Vermögens- und Anlageberater der Kreditinstitute haben Erfahrung und werden Sie nach bestem Wissen und Gewissen beraten. Hinter ihnen stehen weitere Fachleute, die Analysten. Sie statten die Kundenberater mit Markt und Unternehmensanalysen aus und bieten damit auch Hilfestellung für Ihre zuverlässige Beratung. Der Bankberater wird Ihre individuelle Situation berücksichtigen. Er wird Sie vor allem nach Ihrem persönlichen Anlageziel fragen und Ihre Vermögensverhältnisse erkunden. Auch Ihre persönliche Risikobereitschaft muss der Berater der Bank bei seinen Ratschlägen berücksichtigen. Verlassen Sie sich aber nicht nur auf die Analysten und das Urteil von Beratern. Die Anlage bleibt Ihre Entscheidung. Es hat noch nie geschadet, sich darüber Gedanken zu machen, mit eigenen Anregungen zum Fachmann zu kommen und diesem auch kritische Fragen zu stellen. Vor allem aber: Erwarten Sie keine Wunder. Ein sicher funktionierendes System zur Kursprognose hat bis heute noch niemand gefunden.