Aktien

Ein Blick in die Aktiengesellschaft

Die Aktiengesellschaft ist ein Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit, d.h. eine juristische Person. Ihre Gesellschafter, die Aktionäre, sind in der Regel nicht aktiv bei ihr tätig. Sie sind nur mit ihren Einlagen an dem in Aktien aufgeteilten Kapital beteiligt. Eine persönliche Haftung der Aktionäre existiert nicht; für die Verbindlichkeiten der AG haftet ausschließlich das Aktienkapital. Die Aktionäre haften nur bis zur Höhe ihrer Beteiligung, nicht aber mit ihrem übrigen Vermögen. Das Verlustrisiko ist für den Aktionär also auf den für die Aktie bezahlten Kaufpreis beschränkt. In den Aktiengesellschaften arbeitet das Geld, das ihre Aktionäre aufgebracht haben. Für die Tätigkeit der Aktiengesellschaften gibt das Aktiengesetz einen präzisen Rahmen. Dort sind auch die Rechte der Aktionäre geregelt. Nach den Vorschriften des Aktiengesetzes benötigt jede Aktiengesellschaft einen Gesellschaftsvertrag – die Satzung. In ihr werden der Name, der Sitz und der Gegenstand des Geschäftsbetriebes festgelegt. Die Satzung gibt außerdem Auskunft z.B. über die Zahl und Art der ausgegebenen Aktien und die Art der Gewinnverteilung. Wichtige Vorschriften des Aktiengesetzes regeln die Tätigkeit der Organe der Aktiengesellschaft, also des Vorstandes, des Aufsichtsrates und der Hauptversammlung. Auch hierzu gibt es in der Satzung ergänzende Bestimmungen.

Aktionäre sprechen mit

Mindestens einmal im Jahr muss bei jeder Aktiengesellschaft nach den Vorgaben des Aktiengesetzes eine Hauptversammlung stattfinden. Hier entscheiden die Aktionäre über wichtige Fragen wie die Verwendung des Jahresgewinns, Kapitalerhöhungen oder Satzungsänderungen. Darüber hinaus wählen sie ihre Vertreter in den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat, dem neben den Vertretern der Aktionäre auch von den Arbeitnehmern gewählte Vertreter angehören, beruft den Vorstand der Aktiengesellschaft. Dieser ist für die Führung der laufenden Geschäfte verantwortlich und wird dabei vom Aufsichtsrat beraten und kontrolliert. In der Hauptversammlung wird von den Aktionären entschieden, ob Aufsichtsrat und Vorstand für ihre Arbeit im vergangenen Jahr entlastet werden. Jeder Aktionär hat hier das Recht, Anträge zu stellen, an Aufsichtsrat und Vorstand Fragen zu Angelegenheiten der Gesellschaft zu richten oder auch Kritik zu üben. Für die Entscheidungen, die von den Aktionären auf einer Hauptversammlung getroffen werden, gilt normalerweise die einfache Regel: „Jeder Aktionär hat je Aktie eine Stimme“.

Die Inhaber von Vorzugsaktien haben in der Regel kein Stimmrecht (dafür aber i.d.R. – anders als Stammaktionäre – Anspruch auf eine Vorzugsdividende). Um sein Stimmrecht wahrzunehmen, kann der Aktionär persönlich an der Hauptversammlung teilnehmen. Er kann aber auch anderen Personen oder Institutionen eine Vollmacht zur Ausübung seines Stimmrechtes erteilen – in der Regel der Bank, die seine Aktien im Depot verwahrt, einer Aktionärsvereinigung oder auch einem von der Gesellschaft benannten Stimmrechtsvertreter. Eine Vollmacht stellt sicher, dass der Aktionär in jedem Fall auf der Hauptversammlung vertreten wird und seine Stimme nicht verloren geht.

Der Aktionär behält dabei selbstverständlich das Recht, seinem Bevollmächtigten Weisungen für seine Abstimmung zu erteilen. Er kann ihn auch beauftragen, Fragen zu stellen und Auskünfte einzuholen. Die Aktiengesellschaften oder die bevollmächtigten Kreditinstitute bzw. Aktionärsvereinigungen legen den Aktionären die Tagesordnung der Hauptversammlung rechtzeitig vor. Diese können also in Kenntnis der zu entscheidenden Fragen darüber befinden, ob sie Weisungen geben oder auch persönlich an der Hauptversammlung teilnehmen möchten. Äußert sich der Aktionär nicht oder erteilt er keine ausdrückliche Weisung, so stimmt der Beauftragte wie schriftlich angekündigt ab.

Transparenz ist Trumpf

Wer sein Geld in Aktien investiert, kann sehen, wie es für ihn arbeitet. Alle deutschen Aktiengesellschaften sind verpflichtet, ihre Aktionäre umfassend und öffentlich über den aktuellen Stand des Unternehmens zu informieren. Jede Aktiengesellschaft veröffentlicht jährlich ihre Bilanz und ihre Gewinn- und Verlustrechnung mit einem Lagebericht des Vorstandes. Meist werden diese Unterlagen zu einem Geschäftsbericht zusammengefasst. Die in Deutschland bis vor kurzem übliche Bilanzierung nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) wird immer stärker durch internationale Rechnungslegungsvorschriften ersetzt, vor allem die US-amerikanischen „Generally Accepted Accounting Principles“ (US-GAAP) und die „International Financial Reporting Standards“ (IFRS; rüher als „International Accounting Standards“ oder IAS bekannt). Ab 2005 müssen börsennotierte deutschen Unternehmen ihren Konzernabschluss nach den IFRS-Regeln aufstellen. Ziel ist eine stärker an den Interessen der Anleger ausgerichtete Bewertung der Vermögensgegenstände des Unternehmens.

Über aktuelle Entwicklungen der börsennotierten Gesellschaften unterrichten Zwischenberichte und so genannte Ad-hoc-Meldungen, die nach dem Wertpapierhandelsgesetz bei kursrelevanten Ereignissen abgegeben werden müssen. Auch die jährliche Hauptversammlung dient dazu, den Aktionären Rechenschaft über den Stand und die Perspektiven ihres Unternehmens abzulegen. Über die Veröffentlichungen der Aktiengesellschaften und über die Hauptversammlungen wird in der Presse regelmäßig berichtet. Eine wichtige Informationsquelle bieten auch Analysen und Research-Berichte, in denen Banken und unabhängige Analysten über die Aktivitäten der Unternehmen an den in- und ausländischen Märkten informieren und zur Unternehmensentwicklung Stellung nehmen. Die direkteste Informationsquelle bleibt jedoch das Unternehmen selbst.

Über die jeweiligen Internet-Seiten sind insbesondere bei großen Unternehmen die Informationen am einfachsten und schnellsten abrufbar. Börsennotierte Unternehmen verfügen in der Regel über eine Investor-Relations- Abteilung, die die Beziehungen zu den aktuellen und zukünftigen Aktionären pflegt. Durch eine transparente Darstellung der Informationen über das Unternehmen und seine Führung (z.B. im Bereich „Investor Relations“ auf der jeweiligen Homepage) sollen Anleger in ihrer Entscheidung für die Unternehmensaktie bestärkt bzw. potenzielle Kapitalanleger für den Kauf der Aktie gewonnen werden. Sie sehen also, die Aktie ist kein Buch mit sieben Siegeln. Im Gegenteil: Die Aktie ist eine überschaubare Geldanlage. Der im Februar 2002 verabschiedete Deutsche Corporate Governance Kodex verdeutlicht die hohen Anforderungen an die Transparenz börsennotierter Unternehmen in Deutschland: Er fasst die geltenden gesetzlichen und außergesetzlichen Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung zusammen. Ziel ist es, das Vertrauen in- und ausländischer Investoren in die deutsche Unternehmensführung zu stärken, und zwar durch:
  • stärkere Ausrichtung auf Aktionärsinteressen;
  • erhöhte Transparenz deutscher Unternehmensführung;
  • größere Unabhängigkeit deutscher Aufsichtsräte;
  • verstärkte Unabhängigkeit der Abschlussprüfer.
Wenn Unternehmen von den Empfehlungen des Kodex abweichen, müssen sie dies offen legen („comply or explain”). Eine Regierungskommission verfolgt die Entwicklung des Corporate Governance Kodex in Gesetzgebung und Praxis und überprüft mindestens einmal jährlich, ob und inwieweit der Kodex angepasst werden muss.

Wenn Aktien Junge kriegen

Wenn eine Aktiengesellschaft ihr Grundkapital erhöht, z.B. zur Finanzierung von Investitionen, nennt man die neu auszugebenden Aktien „junge Aktien“. Die bisherigen Aktien heißen „alte Aktien“. Der Ausgabekurs junger Aktien ist im Allgemeinen niedriger als der Börsenkurs der alten Aktien. Die bisherigen Aktionäre erhalten in der Regel ein Vorkaufsrecht auf die jungen Aktien, das sogenannte Bezugsrecht, und zwar in einem bestimmten, von der Hauptversammlung festgelegten Verhältnis zur Zahl der Anteile. Bei einem Bezugsverhältnis von 4:1 erhält der Altaktionär auf vier alte Aktien ein Bezugsrecht für eine junge Aktie. Der Aktionär kann dieses Recht ausüben, also die jungen Aktien „beziehen“. Er kann sein Bezugsrecht aber auch an der Börse verkaufen. Das Bezugsrecht für Altaktionäre ist keineswegs ein Geschenk, denn der Kurswert der alten Aktien mindert sich zunächst um den Wert des Bezugsrechts. Man nennt diese Minderung Bezugsrechtsabschlag. Durch das Bezugsrecht wird der Wertverlust der alten Aktien ausgeglichen. Und es wird dem Aktionär die Möglichkeit geboten, seinen Anteil an der Gesellschaft und an den Stimmen auf der Hauptversammlung aufrechtzuerhalten. Gelegentlich geben Aktiengesellschaften auch sogenannte Zusatz- oder Berichtigungsaktien aus.

In diesem Fall wird das Grundkapital nicht durch Einzahlungen der Aktionäre, sondern durch Umwandlung bereits bestehender Rücklagen der Gesellschaft erhöht. Die Aktionäre erhalten in einem bestimmten Verhältnis zu ihren alten Aktien zusätzliche Aktien, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Deshalb wird oft auch von „Gratisaktien“ gesprochen. Dieser Ausdruck ist allerdings missverständlich. Denn der Aktionär erhält etwas, was ihm ohnehin schon gehört: einen Anteil an den Rücklagen. Er wird durch die Ausgabe von Berichtigungsaktien nicht reicher. Auch das Vermögen der Gesellschaft verändert sich nicht. Es verteilt sich lediglich auf eine größere Anzahl von Aktien. Dementsprechend muss sich der Kurs der einzelnen Aktie ermäßigen. Erfahrungsgemäß werden aber Kursabschläge bei der Ausgabe von Berichtigungsaktien zum Teil wieder aufgeholt, da diese als Zeichen der Stärke des Unternehmens gelten.